In search of Magritte
Deutsch - Linne

Ansprache zur Eröffuung von Grafisch Atelier “De Franse Republiek”

Beste vrienden van de kunst.
Een ding vooraf: Jos heeft me gevraagd, om deze toespraak in het Duits te houden. Ik doe dit graag. Want Deutsch klinkt misschien ook iets dramatischer.
Mit dem Namen “De Franse Republiek”, sagt Jos Deenen eine Menge über sich selbst und seine Haltung. Der blutige Fall der Bastille hat den Adel entmachtet, dem Individuum Respekt verschafft und ganz Europa verändert. Fast scheint es, als wäre es genau jetzt, wenn Königshäuser bei einem Berlusconi Rat suchen, mal wieder an der Zeit für eine Revolution. Denn Druck erzeugt gegendruck.
Vielleicht ist Jos auch deshalb so vom Hochdruck fasziniert, hat als einer der letzten seines Metiers, Buchbinderei und Bleisatz gelernt.
Dieses Haus Parkstraat 33, ist jedenfalls eine Oase des Freidenkertums, ein Reservat der Anarchie. Und Jos ist schwer bewaffnet, bis an die Zähne sogar. Aber seine Waffen kann er unter keiner Jacke verbergen. Es sind auch die alten, mechanischen Maschinen aus (Gusseisen und Stahl, die ihn so gefährlich machen. Auch deshalb wohl, hat Jos Deenens Arbeit Gewicht und Hebelkraft.

Gewicht und Hebelkraft

Foto: Linne

Dieses Haus ist ein technisches Museum, in dem die Letzten Überlebenden der klassischen Mechanik em Reservat fanden aber nur um sich weiterhin nützlich machen.
Jos Deenen war einer der letzten seines Jahiiumderte alten Berufes. Entschleunigung ist bier das Stichwort, Druck ist seine Parole. In De Franse Republiek wird mit Hebeikraft gescbnitten, mit Schwungr gepresst, gepriigt, gepunzt, gebunden immer auch im (ieist der Emanzipation von
Unterdrückung Bevormundung und Unwahrheit.
lin Zeitalter von Photoshop steilt sich die Frage nach dein Begriff der Authentizit völlig neu. Doch Jos ist nicht digital, er funktioniert analog. Weit und breit ist kein Computer zu sebu. Denn im Gegensalz zur Magiielplatte vergisst sein Archiv nicht so schnell. Hunderte von grauen ZeIlen aus Karton erinnem sich an das Leid der Well. Die wohifeile Bilderfiut, ausgeschtîttet aus Massen von bunten Magazinen mit Millionenauflage, wird aufinerksam gesichtet und penibel sortiert. Bis Jos irgendwann die bunten, unverbindlichen Botschaften mit scharfem Skalpell seziert, zu ganz neuen Kontexten arrangiert und dabei lhre Durchschlagskraft potenzieri Das exakte Gegenteil von Zensur also. Und schon greifi die Propaganda vôllig überraschend - aus einer ganz anderen Eeke an, um sodann, mit neuem Effét und enormer emotionaler Ladung eine unerwartete Brisanz zu entfalten.
Bei Deenen gibt Begriffen wie ‘Druck” oder “Schnitt” ganz neue Bedeutung. Und macht sie uns, hier am Ort seines Schaffens, sinnlich erfahrbar.
Der blöde deutsche Begriff “Kunst-Hand-Werk” triffi hier endlich mal wieder den Kern der Sache - im besten Sinne des Wortes.
“Aber das ist ja alles grausam”, wird sich mancher schütteln. Gibt es denn eigentlich Humor in Deenens Arbeit? Jos meinte dazu nut “Wenn ich fertig bm, muss ich immer lachea Erst wenn ich lachen muss, ist meuie Collage fertig.” Sein Humor hat allerdings auch etwas Dadaisiisches. Immeiiun steht auf einem Buchrücken in einem seiner fetten Bticherschr der Titel: “Das Lachen Dadas”.
Humor als Waffe? Warum nicht?
In Zeiten, wo sich die Linke willig dern Kapital vor die FüBe wirft, wo Humarnsmus nur noch eine hohie Worthtilse ist, brauchen wir wieder Menschen wie Jos, die aus allen Rohren ballern. Auf alles was nach Lüge schmeckt und nach Globalisierung stinkt.
Damit komme ich zum zweiten Teil: Allianzen.
Jos Deenen triffi auf Ton van Reen. Logisch. Denn was oder wer sonst könnte die Wirkung dieses Autors noch versUirken?
Seine Wortgewalt, stekt im Dienst genau der historischen Dimension, die uns - gerade jetzt im Moment - flir immer abhanden kommt, sie steht fik kolleklive Erinnerung und soziales Gewissen.
W regionale Eigenart und Sprache auf dem Altar der (und da ist es wieder, das lJnwort, das alles entschuldigen soli!) Giobalisierung geopfert werden, gelingt es lhm immer wieder, die Gehimwâsche em paar Buchseiten lang zu stoppen und vor dem Abmtschen ins bunte Disneyland der kulturellen Demenz zu bewahren.
Van Reen, der mit seiner muskulösen Sprache eigentlich der visuellen Verstârkung nicht bedarf verbündet sich mit dem llluslrator des (]rauens zu einer Allianz im Geiste eines schonungsiosen, dabei aber immer magischen und spirituellen Realismus.
Die Frucht dieser sirategischen Liaison wollen ibre Autoren heute vorstellen: Es ist die bibliophile Ausgabe van Reens “De Gevangene”. Em Roman gegen den Kiieg und seine schmerziichen Spatfolgen, in seiner expressiven Wirkung noch potenziert durch Deenens Montagea Wie einen Kreuzweg kann man diese Orgie von Gewalt,, Verzweiflung und Erlösung hier betrachten, ohne je Gefahr zu laufen, dabei zum innerlich unbeteiligten Flaneur zu werdea
Ich wünsche beiden Komplizen den verdienten Erfoig, neue Erobenmgen und viele Mitstreiter. Und rufe deshalb:
“Leve de Franse Republiek!”
(und flulstere leise, denn ich bin ja im Ausland: “Vive La Revolution!”)